Kurzgefasste Geschichte des Marktes Painten
 
Älteste Nennungen
Der Ortsname ist um 1150 in den Traditionen des Klosters Prüfening als „Piwente“ und „Piunten“ bezeugt .(1)  Im 13. Jahrhundert gehörte die Gegend um Painten und Hemau, die damals schon als Tangrintel bezeichnet wurde, zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Hirschberg, die auf der gleichnamigen Burg bei Beilngries sassen. Im Einigungsbrief aus dem Jahre 1293 setzte Graf Gebhard von Hirschberg den bayerischen Herzog Ludwig II. als seinen Erben ein und übertrug darin unter anderem "Hembawer vnd swaz wir auf dem Tangrintel haben ... vnd ist Pevnten mit Pevntnaer forst, vnd mit allem dem, daz dazv gehört, laevt vnd gut ..."(2). Infolge dieses Vertrags kam Painten im Jahre 1305 zum Herzogtum Oberbayern.

Entwicklung im 14. Jahrhundert
Im 14. Jahrhundert nahm Painten eine Entwicklung, hinter der eine planmässige Aufwertung des Ortes vermutet werden darf. Aus einem Maierhof von 1326 gingen 48 Hofstätten hervor, eine Anzahl, die die durchschnittliche Grösse spätmittelalterlicher Dörfer weit übersteigt (2). Die für diese 48 Anwesen bezeugte geringe Ausstattung mit Ackerland und die ansonsten auf dem Lande unübliche Trennung von Haus und Grundstücken, deutet an, dass mit dem Ausbau Paintens von Anfang an eine andere Absicht verfolgt wurde als die Anlage eines durchschnittlichen Dorfes.(2)

Marktfreiheit
In einem Scharwerksvertrag aus dem Jahre 1500 werden für Painten erstmals Marktfreiheiten bezeugt.(3) Aufgrund der beschriebenen Entwicklung des Ortes im späten 14. Jahrhundert ist denkbar, dass diese Marktrechte bereits zu jener Zeit erlangt wurden. Einen Einblick in die alte Paintner Gemeindeverfassung gibt eine Ehehaftordnung aus dem Jahre 1585

Painten kommt zum Herzogtum Pfalz-Neuburg
In Folge des Bayerischen Erbfolgekrieges, der einerseits zur Zusammenführung der Herzogtümer Bayern - München (Oberbayern) und Bayern - Landshut (Niederbayern) führte, wurde 1505 das Herzogtum Pfalz-Neuburg mit der Residenzstadt Neuburg an der Donau gegründet. Diesem neuen Territorium wurde auch der gesamte Tangrintel zugeteilt. Painten wurde somit nach genau 200 Jahren wieder aus Oberbayern ausgegliedert und war für die nächsten 303 Jahre pfalz-neuburgisch. Die damalige Grenze zu Bayern verlief auf der Höhe des "Meixner Strassls", dort wo später bis 1972 die Grenze zwischen der Oberpfalz und Niederbayern verlief.

Pfarrei Painten
Ursprünglich gehörte Painten zur Pfarrei Hemau. Ab dem Jahre 1542 betrieb Pfalzgraf Ottheinrich die Einführung der lutherischen Reformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg. Im Zuge der Reformation wurde Painten selbständige Pfarrei und blieb es auch nach der um 1618 erfolgten Rekatholisierung(4). Zeitweise gehörte auch Aichkirchen als Filiale zur Pfarrei Painten.

Salzstrasse und Mautstation
Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts wurde Painten zum bedeutendsten Ort auf dem Tangrintel nach der Stadt Hemau. Dies hatte wohl mehrere Ursachen. Eine davon dürfte die Lage an der Salzstrasse sein, die damals von Salzburg über Landshut und Kelheim kommend über Painten und Hemau weiter nach Neumarkt und Nürnberg führte. Mit der im 14. Jahrhundert erstarkten Reichsunmittelbarkeit Regensburgs, hatte eine Fernstrasse, mit der man auf dem Weg nach Norden Regensburg umgehen konnte, für die bayerischen Herzöge grosse wirtschaftliche Bedeutung bekommen. Painten dürfte zur Sicherung der Strecke zwischen dem Donauübergang Kelheim und Hemau ausgebaut worden sein.

Mit der Grenzziehung zwischen Bayern und der Pfalz-Neuburg im Jahre 1505 büßte diese Fernstrasse einiges an Bedeutung ein, da die bayerischen Salz- und anderen Transporte nun von Kelheim kommend zunehmend durch das Altmühltal weiterzogen und vor allem auch der Donauübergang bei Neustadt eine immer stärkere Konkurrenz zu Kelheim wurde.

Diese etwa ab 1510 dokumentierte Entwicklung war einem weiteren Aufschwung Paintens wie auch Hemaus sicher abträglich.

Andererseits machte die neue politische Grenze Painten ab 1505 zum Grenzort, der mit einer Mautstation ausgestattet wurde.

Forstwirtschaft und Eisengewinnung
Weitere wirtschaftliche Bedeutung kam Painten durch den Paintner Forst zu, der bereits im Jahre 1293 nach dem Ort selbst benannt wurde (s.o.). Spätestens durch die von Pfalzgraf Philipp Ludwig in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts betriebene und neu organisierte Forstwirtschaft dürfte Painten eine zunehmende Rolle bei der Ausbeutung und Nutzung des Forsts gespielt haben. Painten war nachweislich ab 1515 für ca. 300 Jahre Sitz eines Forstmeisteramtes, das dem pfalzneuburgischen Oberforstmeisteramt in Wölland bei Burglengenfeld unterstellt war.

Der Paintner Forst versorgte die Eisenhämmer an Laber und Altmühl mit Holz und Holzkohle, genauso wie die später aufkommende Glasproduktion, für die der Wald zusätzlich noch den wichtigen Rohstoff Pottasche lieferte.

Überhaupt wurde der Wald intensiver bzw. vielseitiger genutzt, als es heute der Fall ist. Zu den Holzhauern (Bis zum Dreißigjährigen Krieg erscheint in Painten noch der Familienname Scheittenhauer), Köhlern und Aschenbrennern, Pechlern und Pechsiedern, die damals in Painten ansässig waren, kamen noch weitere Berufe wie Schindelmacher, Holzschuhmacher, und Vogelfänger, die ebenfalls vom Wald lebten.

Noch wenig erforscht ist, welche Bedeutung die Gewinnung und Verhüttung von Eisenerz letztlich für Painten hatten. Nachweise für Eisengewinnung in der näheren Umgebung gibt es bis in die Keltenzeit zurück. In einer Beschreibung des Paintner Forsts aus dem Jahre 1616 finden sich noch Hinweise für die Gewinnung von Eisen bei Painten.

Glashütte
Im Jahre 1630 ist in Painten erstmals eine Glashütte belegt (5). Eine weitere Erwähnung eines "Glassoffens" in Painten selbst datiert aus dem Jahre 1650.(6)

1665 erfolgte dann die Gründung der Glashütte Rothenbügl (7), die dort kontinuierlich bis in das späte 19. Jahrhundert existierte und mit einer weiteren Verlegung nach Kleinwalddorf sogar bis in das frühe 20. Jahrhundert heraufreicht.

Schmalkaldischer Krieg
Im Schmalkaldischen Krieg (1546/7) wurden Painten so nachhaltige Zerstörungen zugefügt, dass diese zur vorübergehenden Preisgabe der Marktrechte führten. Letztere wurden im Jahre 1576 durch Pfalzgraf Philipp Ludwig erneuert und erweitert. Gleichzeitig erhielt Painten das noch heute gültige Wappen und wurde "landständisch", d.h. der Markt Painten war in der "Landschaft", dem ständischen Parlament des Herzogtums Pfalz-Neuburg, vertreten.

30-jähriger Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) hat auch Painten schweren Schaden genommen. 40 von damals 81 Anwesen wurden niedergebrannt (wahrscheinlich im Oktober 1633) und erst nach Jahrzehnten wieder aufgebaut . Die Bevölkerung, die vor dem grossen Krieg knapp 600 Personen zählte, wurde durch Krieg, Vertreibung und den Pestzug von 1634 auf etwa die Hälfte dezimiert.

Die heute zur Marktgemeinde gehörende ehemalige Hofmark Maierhofen ereilte ein ähnliches Schicksal.

Wiederaufbau und langsame Erholung
Wie viele andere Orte erholte sich auch Painten nur sehr langsam von den verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs. Im Jahre 1835 zählte Painten immerhin erst 125 Anwesen und erreichte erst damals wieder die Bevölkerungszahl, die es zuletzt vor den Schicksalsjahren 1633/34 gehabt hatte.

Feuersbrunst 1899
Durch eine Feuersbrunst wurde Painten am 14. Mai 1899 vermutlich der größte Schaden nach dem Dreißigjährigen Krieg zugefügt. Neben der Pfarrkirche fielen dem Feuer 25 Wohnhäuser und 40 Nebengebäude zum Opfer. Ein halb verkohltes Kreuz in der Pfarrkirche St. Georg zeugt noch heute von jenem denkwürdigen Sonntag.

Entwicklungen im 20. Jahrhundert
· 1907/08: Bau der Wasserleitung;
· 1922/23: Anschluss an die elektrische Stromversorgung;
· 1945/46: Aufnahme von ca. 200 Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland;
· 1946: Die Gemeinde Rothenbügl wird nach Painten eingegliedert;
· 1972: Gebietsreform Teil 1: Painten kommt zum Landkreis Kelheim und damit zu Niederbayern. Die Gemeinde Neulohe (mit Maierhofen) wird eingegliedert, ebenso die zur ehemaligen Gemeinde Klingen gehörigen Orte Berg, Mantlach und Netzstall.
· 1978: Gebietsreform Teil 2: Painten wird zwangsweise in eine Verwaltungsgemeinschaft mit Ihrlerstein und dem Markt Essing eingegliedert.
· 1980: Zum 1. Januar 1980 erlangt  die Marktgemeinde Painten ihre volle Selbständigkeit zurück.
· 1995/96: Bau eines neuen Rathauses;



(1) Schwarz, Andrea: Die Traditionen des Klosters Prüfening, München 1991;
(2) Jehle, Manfred: Historischer Atlas von Bayern, Heft 51: Parsberg, München 1981;
(3) BayHStA, Pfalz-Neuburg Akten, NA 1912, Nr.1768-2;
(4) Matrikel des Bistums Regensburg, Regensburg 1997;
(5) BayHStA, Pfalz-Neuburg Akten, NA 1911, Nr.14611/1;
(6) StAAm, Pflegamt Hemau, R 1;
(7) StAAm, Reg.K.d.Forst 557;.



Aktualisiert: 29. Juli 2003

Autor: Georg Paulus, Kapellenstr. 22, 86558 Hohenwart, georg.paulus@gmx.de